Brilons Dörfer

Kurz und knapp:

  • Die Dörfer sind wichtige und in einem immer komplexer werdenden Umfeld wertvolle Lebensräume, die es zukunftsfest zu gestalten gilt.
  • Das bereits heute in unseren 16 Dörfern gelebte beeindruckende bürgerschaftliche Engagement bildet eine hervorragende Grundlage für deren Zukunft.
  • Gestalterisch planend und damit Entwicklungen antizipierend ist ein Dorfentwicklungskonzept für die Gesamtheit der Briloner Dörfer das richtige Instrument, um sie in ihrem Bestand zu festigen.

In aller Ausführlichkeit:
Da ich selbst in zwei Briloner Dörfern (1966-1972 in Brilon-Wald, 1972-1987 in Gudenhagen-Petersborn) aufgewachsen bin und gelebt habe, weiß ich um die Vorteile des Dorflebens. Die engen Beziehungen, die klaren Strukturen, die guten sozialen Kontakte und die vielen Möglichkeiten der bürgerschaftlichen Teilhabe haben für jede Generation einen besonderen Wert. Ich bin mir sicher, dass dieser Wert in der Zukunft weiter zunehmen wird, sehen wir uns doch in Gesellschaft, Beruf und auch Freizeit mit immer komplexeren Strukturen und zeitweise in ihrer Gesamtheit nur annähernd durchschaubaren Zusammenhängen konfrontiert. Das weckt im Menschen eine Neigung zu Verbindlichkeit, Klarheit und Verlässlichkeit und genau das kann ein Leben im Dorf geben.

Im Rahmen meiner Dorfrundgänge, die ich in den Monaten November und Dezember 2013 durchgeführt habe und im Januar 2014 fortsetzen werde, wurde mir dieser besondere Wert des Dorflebens bestätigt. In dem beeindruckenden bürgerschaftlichen Engagement, das dort in Vereinen, Verbänden, Gruppierungen und zu einem großen Teil informell gelebt wird, zeigt sich über alle Generationen eine große Identifikation mit dem je eigenen Heimatdorf. Hier hat das, was ich einbringe, unmittelbare Wirkung und gemeinsam mit anderen erziele ich hier unmittelbare Erfolge, die allen oder vielen zum Nutzen sind.
Diese gelebte Identifikation ist ein unermessliches Pfund für die Zukunft des ländlichen Lebensraums, denn nur, wer die damit verknüpfte Bindung erfährt, wird auch geneigt sein, dort seine berufliche und familiäre Zukunft zu sehen.

Leider wird dieser unermessliche Wert unserer Dörfer nicht überall gesehen. In von der Politik initiierten Gutachten werden ökonomisch motivierte Modelle entwickelt, die die Dörfer als ineffizient erscheinen lassen. Wenn ich von einem „unermesslichen“ Wert spreche, mache ich damit deutlich, dass sich die Vorteile des Dorflebens nicht in Euro und Cent bewerten lassen, denn es sind vor allem immaterielle Werte, die aber mittelbar zur Stärkung des Lebens- und Wirtschaftsraums beitragen und damit auch ökonomischen Nutzen bringen.

Daher muss es unser gemeinsames Ziel sein, unsere 16 Dörfer stark zu machen für die Zukunft. Politik, Verwaltung und die Verantwortlichen in den Dörfern sollten ein Dorfentwicklungskonzept erarbeiten, um gestalterisch planend vorbereitet zu sein auf zukünftige Entwicklungen, soweit diese absehbar sind.
Dabei stelle ich mir eine Ausrichtung vor, die vom Ende her gedacht ist: Wo wollen wir im Jahr 2025/2030 mit unseren einzelnen Dörfern stehen? Die Ziele bestimmen die Wege, nicht umgekehrt; aber die Wege entstehen auch nur dann, wenn wir sie gehen. Wenn die Ziele bestimmt sind, müssen in einem Gesamtkonzept und unter Berücksichtigung der ganz unterschiedlichen Strukturen in unseren 16 Dörfern die Wege, d.h. die konkreten Maßnahmen beschlossen werden, die dann der Reihe nach abzuarbeiten sind. Dass dabei nicht alles Wünschenswerte auch umsetzbar ist, liegt auf der Hand. Ein kommunaler Haushalt, der nicht zur Belastung nachfolgender Generationen werden darf, gibt dabei natürlich Restriktionen vor. Daher gilt es, die begrenzten öffentlichen Mittel im Rahmen des Gesamtkonzepts gerecht auf die Dörfer zu verteilen. Gerecht heißt in diesem Zusammenhang, dass der Verteilungsmodus die differenten Strukturen und damit die Besonderheiten aller einzelnen Dörfer ebenso berücksichtigen muss, wie bereits in der Vergangenheit durchgeführte Maßnahmen und auch die geleistete ehrenamtliche Arbeit.
Wenn wir die Dinge aber in einem klug ausgewogenen Mix aus politischem, verwaltungsseitigem und bürgerschaftlichem Engagement angehen, bin ich sehr zuversichtlich, dass Vieles zum Nutzen unserer 16 Dörfer und der dort lebenden Menschen möglich ist.