Bildung und Ausbildung in Brilon

Kurz und knapp:

  • Das Schulangebot vor Ort muss in allen Bereichen als attraktiv, ausgewogen und qualitätsstark wahrgenommen werden.
  • Das Gymnasium Petrinum und die Marienrealschule sehe ich in ihrem Bestand als feste Teile unseres Schulangebots, das durch eine qualitativ gut aufgestellte Verbundschule, künftig durch die Sekundarschule komplettiert wird.
  • Die Identifikation mit der Heimatstadt beginnt im Vorschul- und Schulalter; daher muss das Schulangebot höchsten Anforderungen entsprechen.
  • Schule und Wirtschaft sollten eng miteinander verbunden werden.
  • Brilon als nachschulischen Bildungsstandort zu erweitern und zu erschließen wäre ein Gewinn für alle Beteiligten.

In aller Ausführlichkeit:

Brilon als Schul- und Ausbildungsstandort zukunftsfest zu etablieren ist eine sicherlich angesichts der unentwegten Bewegung in der Schullandschaft herausfordernde Aufgabe. Wie in jedem politischen Handlungsfeld gilt es dabei vor allem eine Politik zu realisieren, die nicht nur auf Entwicklungen und exogene Vorgaben reagiert, sondern – die Entwicklungen antizipierend – die Zukunft aktiv gestaltet. Nur so ergibt sich die Chance, die betroffene Bevölkerung in den Prozess einzubinden und sie an der Gestaltung mitwirken zu lassen. Über die Transparenz kann bei manchmal auch unliebsamen Notwendigkeiten Akzeptanz für unausweichliche Entscheidungen gewonnen werden. Die Diskussionen und Ergebnisse der näheren Vergangenheit im Rahmen der Entwicklung der Grundschullandschaft haben gezeigt, dass dies der einzig gangbare Weg ist.

Dasselbe gilt natürlich auch für den weiterführenden Schulbereich. Mit einem Gymnasium (ca. 900 Schüler), der Marienrealschule (ca. 600 Schüler) und der Verbundschule sind wir grundsätzlich gut aufgestellt und decken die gesamte Palette des weiterführenden Schulsystems ab. Vor dem Hintergrund von derzeit 348 Briloner Schülerinnen und Schülern, die Schulen in Nachbargemeinden besuchen, darf das bestehende Angebot durchaus auf den Prüfstand gestellt werden. Dabei gilt für mich der Grundsatz, an einem bewährten Bestand nicht zu rütteln, wenn er auch für die Zukunft aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen haltbar ist und eine ebenso gute und differenzierende Schulbildung gewährleistet. Insofern sehe ich keine realistische Alternative zu unserem Gymnasium Petrinum und zur Marienschule als Realschule in der Trägerschaft des Erzbistums Paderborn. An beiden Schulen wird ausgezeichnete Arbeit geleistet und wir können sicher sein, dass da, wo möglicherweise qualitative Defizite auftreten, Schulleitungen und Kollegien zu allererst aufmerksam werden und an qualitätssteigernden Konzepten arbeiten. Schule von morgen muss neben der eigentlichen Wissensvermittlung auch soziale Kompetenzen vermitteln, sie muss flächendeckend Ganztagsangebote bereithalten, die gleichzeitig als Versorgungs-, Lernhilfe- und Betreuungsangebote ausgestaltet sind, und in enger Kooperation mit der Wirtschaft den Berufseinstieg vorbereiten. Wenn wir in diesen „neuen“ Anforderungen noch nicht weit genug sind, dann heißt die Aufgabe der Stunde Qualitätsverbesserung in diese Richtung. Etwas anders ist die Ausgangssituation bei der vor 2 Jahren gegründeten Verbundschule als Kombination aus Haupt- und Realschule. Wir haben mit dieser Schulform sowohl den Hauptschulzweig, als auch den Realschulzweig im städtischen Angebot, so dass – und das ist mir sehr wichtig – mit dem bestehenden Gesamtangebot alle Schülertypen bedient werden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre ist aus der Verbundschule eine Sekundarschule zu gestalten, die als attraktives Angebot und damit als klare Alternative zu den derzeit besuchten außerörtlichen Schulen wahrgenommen wird. Gerade bei der Schülerschaft der Verbund-/Sekundarschule müssen unsere Bemühungen in Richtung einer engen Praxisanbindung gehen, um dem Lerntypus vieler Schülerinnen und Schülern nachzukommen und ihnen Perspektiven zu eröffnen.

Ich möchte alles dafür tun, dass Brilon auch ein Standort für die nachschulische Ausbildung wird, der ein breites Bildungsangebot bereithält. Bereits heute werden viele junge Leute in Briloner Betrieben ausgebildet. Die FernUni Hagen ist im Heinrich-Jansen-Weg mit einem Studienzentrum präsent, über das das gesamte Studienangebot der FernUni abgerufen werden kann. Am Gesundheitspark am Schönschede besteht eine Krankenpflegeschule mit derzeit 75 Ausbildungsplätzen, deren neuer Leiter sich die Fortentwicklung zur Bildungsakademie zum Ziel gesetzt hat. Unternehmenskooperationen mit der FH Südwestfalen und der FH Hamm/Lippstadt ermöglichen Abiturienten an Briloner Betrieben ein duales Studium zu absolvieren. Hier sehe ich noch deutliches Potenzial, von dem, wenn es genutzt wird, nicht nur die Studierenden und die Betriebe, sondern auch die Stadt profitieren kann. Wir müssen Augen und Ohren offen halten: Brilon ist ein gut aufgestellter Wirtschaftsstandort, der auch für Träger akademischer Ausbildungsgänge interessant ist.

Schulische Bildung, Ausbildung und Arbeit stehen nicht losgelöst nebeneinander, sondern sind mehr und mehr miteinander verzahnt. Es gilt, so früh wie möglich die Verbindung von schulischer Laufbahn und Beruf/beruflichen Möglichkeiten herzustellen und zu gewährleisten. Dies gelingt im Berufskolleg bereits sehr gut, sollte aber die gesamte Schullandschaft einbeziehen.